Deine Liebesgeschichte 6





Allerheiligenkirmes in Soest 2003. Die ersten Tage ging ich mit Freunden und da ich Single war, hielt ich natürlich auch Ausschau nach gut aussehenden Typen, die mir die Abende versüßen könnten. Am Donnerstag bot sich die erste Gelegenheit dazu. Es war zwar ein Bekannter, auch nicht besonders intelligent, aber da es spät wurde, dachte ich mir, 'Na gut'. Kurz bevor wir uns das erste mal küssen konnten, kam ein kleiner, zotteliger Typ auf ihn zu und beleidigte meinen Bekannten wegen dessen Kleidung, die darauf schließen ließ, das er ein wenig RECHTSHERUM eingestellt war. Der ließ sich das natürlich keine Sekunde gefallen und konterte direkt mit einem Tritt in den Magen seines Gegners, woraufhin weitere Freunde des Zottels kamen und anfingen, meine fast begonnene Affaire mit Kopfnüssen und Faustschlägen nieder zu kloppen. Ich traf die Entscheidung, zu gehen, denn ich wollte mir den Abend nicht noch ganz versauen, trank noch einen mit meiner Freundin, die ich zufällig noch traf und fuhr dann auch nach Hause. Am nächsten Tag, Freitag, gingen meine Freundin Yvonne und ich in den zu Kirmeszeiten proppenvollen Biergarten des Lokals und Restaurants Christ. Wir wagten uns bis ganz nach vorne zum DJ Pult und tanzten nach einigen Radlern auch ganz locker mit. Ich war ständig auf der Suche nach einem kleinen Abenteuer und hatte meine Augen überall. Da kam nach einiger Zeit tatsächlich ein junger, ganz nett aussehender Typ auf mich zu und ich dachte 'genau mein Typ'. Dunkle Haare, dunkle Augen und eine ziemlich nette Ausstrahlung. 'Der wird's', dachte ich mir und eh ich mich versah, forderte er mich zum tanzen auf... TANZEN! Ich kann nicht tanzen, zumindest keinen von diesen Standarttänzen und es war und ist mir heut noch peinlich, dazu aufgefordert zu werden. Nun gut, Kirmes, alle besoffen, netter Typ, vielleicht der einzige, der mich heut noch anquatscht. Wieso nicht. Wir tanzten circa eine geschlagene Minute, als es plötzlich wieder anfing... Zwei Schläge von rechts, ein Tritt ins Knie und voila, mein Gegenüber liegt am Boden. Allerdings nur für fünf benommene Sekunden. Er springt auf, schnappt sich den Typ, der begonnen hatte und gibt im nen saftigen Kinnhaken zurück. Der Streitbeginner wäre auch fast auf die Schnauze geflogen, wären da nicht noch drei von seinen Kollegen gewesen, die ihn auffingen. Und jetzt ging's los. Prügelei bis zum Erbrechen, und ich mal wieder mitten drin. 'Was hab ich getan, das ich so bestraft werde', fragte ich mich und das nicht ohne Begründung. Ich dachte ich bin verflucht. Als der Krankenwagen dann endlich kam, zog ich mit Yvonne von dannen. Der Samstag sollte, ohne Witz, ein Mädchenabend werden. Yvonne und ich also wieder los und wieder in Christ´s Biergarten, der noch voller war als am Tag zuvor. Wir gingen wieder bis hinten durch zum DJ Pult und vergewisserten uns, das hier alles wieder ok und aufgebaut worden war, tranken eine V+Lemon und wollten gerade wieder losziehen, da steh ich doch glatt vor dem bezaubernsten und schönsten Lächeln, das mir bis dato begegnet ist. Ich hatte bedenken, dass das schöne Lächeln womöglich von meinem Kirmesfluch demoliert werden könnte und doch war ich mir sicher, dass das nicht passieren würde. Ich hörte mich selbst so etwas sagen wie 'kein Durchkommen hier, was?', denn wir standen mitten in einem Menschenzug, der sich einfach nicht nach vorn, hinten, rechts, oder links bewegen ließ. Er sah mich an, zeigte mir mittels eines noch bezaubernderen Lächelns, dass er mich verstand und antwortete sogar irgendetwas, das ich nicht verstand, denn ich war wie betäubt. Ich wollte ablenken und fragte, ob er ein Kaugummi für mich und meine Freundin hätte und er gab uns prompt jedem einen. Er erzählte unter anderem, das er seine Leute verloren hatte und da sah ich meine Chance, diesen blonden Engel zu gewinnen. Ich überwand mich und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, mit uns zu kommen, wir wollten noch ins Storage, eine Discothek, die zu Kirmes geöffnet war. Er fand die Idee gut und mein Herz hörte endlich auf, so hart und nervös gegen meinen Brustkorb zu hämmern. Aus einem inneren Impuls heraus griff ich seine Hand. Wir kamen im Storage an und setzten uns in die Nähe der Bar. Er gab uns den ganzen Abend Getränke und Zigaretten aus, ohne etwas dafür zu fordern. Er stand einfach so in der Nähe meines Hockers und wir sahen uns an, unterhielten uns, nicht viel, aber wir taten es. Irgendwann, mir hat noch keiner etwas so schönes so ernst gesagt. Er fragte: 'Du hast so schöne Lippen...Darf ich dich küssen?' Ich antwortete nicht, sondern ließ es einfach zu.... und schwebte daraufhin im siebten Himmel und noch höher. Wir knutschten die ganze Nacht und als der Morgen graute, brachte er uns zum Bahnhof und wartete dort, bis unser Zug kam. Ich bin nicht sehr eingebildet, muss aber sagen, das ich nach dieser Nacht, an diesem Morgen am Bahnhof scheußlich aussah. Ich dachte, ich sehe den nie wieder. Er hat gewartet und gewartet mit uns. Als der Zug kam, stiegen Yvonne und ich ein und verabschiedeten uns an der Tür von ihm. Handynummern hatten wir längst ausgetauscht. Auf der Fahrt nach Hause fragte ich Yvonne nach seinem Namen, ob sie ihn vielleicht mitbekommen hätte, doch sie war mehr damit beschäftigt , ihre Augen aufzuhalten und ich ließ es gut sein. Am nächsten Tag bei unserem ersten Telefonat erfuhr ich seinen Namen dann: MARIUS. Was für ein außergewöhnlicher, schöner Name. Nach ein paar Startschwierigkeiten kamen wir dann doch zusammen. Das Ganze ist jetzt ein Jahr und fast vier Monate her. Wir haben uns heute, den 01.02.05 getrennt und ich weiß nicht, wie ich ohne ihn leben soll. Er meint er ist zu jung für eine Beziehung und will noch was erleben. Dazu hat er auch vollkommen Recht, aber es tut weh. Die nächste Zeit wird sich entscheiden, ob wir weiterhin dieses tolle Paar bleiben, oder ob er seine Freiheit ausleben will. Ich will ihn nicht verlieren, denn er hat mir gezeigt, was Liebe ist und er soll auch der Letzte sein, dem ich sie auf diese Art und Weise zurückgab. Ich will ihn zurück, kann jedoch nichts tun. Nun warte ich auf den Tag, an dem er vor meiner Tür steht und mir sagt, das er mich und nur mich haben will und das er mich in seinem Leben braucht. Wünscht mir bitte Glück, denn das kann ich gebrauchen.

Laura






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