Erinnerungen am Wasserfall - Teil 2

Autor: dreamy
veröffentlicht am: 31.03.2014


Erstmal danke auch noch an Maxima :) Freut mich, dass die Geschichte gut ankommt. Noch eines vorweg, ich hab keine Ahnung, ob eine mündliche Abi-Prüfung wirklich so abläuft, deshalb sorry, wenns nicht so ist. Ich habe bisher bloß mittlere Reife gemacht und stelle es mir so ähnlich vor.


Am nächsten Morgen weckte mich mein Wecker. Ich reckte mich erstmal und rieb mir die Augen. Dann blieb ich eine Weile liegen und dachte an meine Prüfung. Nur noch heute, dann hab ich’s geschafft, dann kann ich mir eine Zukunft aufbauen, wie alle immer so schön sagen. Ich rappelte mich auf und schlurfte ins Bad. Nachdem ich mein Gesicht mit kaltem Wasser wusch, warf ich einen Blick in den Spiegel. Ein verschlafenes Gesicht blickte mir entgegen. Augenringe haben sich um meine türkisenen Augen gebildet und meine blonden langen Haare waren verzottelt. Die meisten sehen am Morgen ja nicht gerade wie eine Schönheitskönigin aus, aber die letzten Wochen waren mir deutlich anzusehen. Ich ging wieder in mein Zimmer und suchte ein paar Klamotten raus, zog mich um, machte mich fertig und ging danach runter, um zu frühstücken. Der Geruch von Kaffee schlug mir direkt entgegen und meine Laune besserte sich. Meine Mutter hat wieder mal an alles gedacht. Lächelnd ging ich in die Küche.
„Morgen Schätzchen. Und schon nervös?“
Ich nahm eine Tasse Kaffee vom Tresen bevor ich antwortete.
„Geht schon, ich hab ja gelernt. Trotzdem ist man ja immer aufgeregt vor einer Prüfung.“
Ich nahm einen Schluck und wartete, bis meine Mutter etwas sagte. Sie lehnte am Fenstersims.
„Selina, ich weiß wie ehrgeizig du bist und ich weiß auch, dass du das schaffen wirst. Ich bin so stolz auf dich, du versuchst immer das Beste aus der Situation zu machen und ich mache mir keine Sorgen deswegen.“
Ich war gerührt. Man merkte ihr die Tränen in den Augen an und ich musste sie in dem Moment einfach umarmen. Sie nahm alles so emotional, aber sie war für mich die beste Mutter. Bevor ich losging, aß ich noch mein Müsli. Dann nahm ich meine Tasche, zog meine Schuhe an und ging zur Tür. Meine Mutter wünschte mir noch ‚viel Glück’ und stand eine Weile am Türrahmen.
Vor der Schule begrüßte mich meine beste Freundin Elvira.
„Hey Sel, bitte hilf mir mal runter zu kommen. Ich bin den ganzen Morgen schon so nervös.“
Das merkte man. Sie zappelte ziemlich. Sonst war sie auch ein wenig zappelig, aber an diesem Tag merkte man es deutlich. Bei ihr liefen die Prüfungen eigentlich ganz ok, nur die letzte hatte sie versemmelt.
„Ok, bleib ganz ruhig stehen und atme ganz tief ein und wieder aus.“
Sie tat, was ich sagte, doch beim ausatmen musste sie so sehr lachen, dass ich mitmachen musste. Als wir uns beruhigt hatten, fragte sie mich, was ich gestern so gemacht habe.
„Ach nichts besonderes, ein wenig gelernt und meine Ma hat mir erzählt, dass wir heute Besuch bekommen.“
Sie schaute mich erstaunt an.
„Besuch? Von wem?“
„Ein paar Bekannte… du kennst doch noch Tine?“
Klar kannte sie sie. Schließlich waren Elvira und ich seit Kindertagen an befreundet und sie gehörte zu unserer Gruppe. Während andere wegzogen, blieb sie mit ihrer Familie in der Straße wohnen, in der auch ich lebte.
„Was Tine? Hab sie schon lange nicht mehr gesehen… Moment, wenn sie kommt, dann auch Timo, oder?“ Jetzt schaute sie mich erwartungsvoll an.
„Ja…“
Und jetzt grinste sie.
„Soso, das freut dich doch bestimmt, oder?“
Nicht das auch noch. Ausgerechnet jetzt musste sie mich damit aufziehen.
„Naja,… schon. Schließlich hab ich ihn schon lange nicht mehr gesehen und wir waren beste Freunde.“
„Du brauchst nicht so rumzudrucksen, ich weiß doch, wie sehr es dich freut, deine Sandkastenliebe wieder zu sehen.“ Weg war das nervöse Rumgezappel und ihre Gute-Laune-Grinse-Ader kam zum Vorschein. Dass ich dagegen böse dreinschaute wollte sie nicht bemerkt haben.
„Erzähl doch mal, wann genau erscheinen sie denn?“
„Das weiß ich nicht, wahrscheinlich so gegen Nachmittag. Und du brauchst nicht so wissend zu tun. Das war bloß Schwärmerei und außerdem war er total fies.“
Sie verdrehte die Augen.
„Ach komm, so sind kleine Jungs nun mal.“
Dann klingelte es und wir gingen rein.
„Erzähl mir aber heut Abend dann, wie es gelaufen ist, ok?“
Ich nickte und wir setzten uns auf die Stühle vor dem Prüfungsraum.


Nachdem ich das ganze überstanden hatte, wartete ich auf Elvira, die nach mir drankam. Außerdem holte mich meine Mutter erst später ab, wenn sie von der Arbeit kam. Dann endlich kam sie heraus und wirkte ziemlich erleichtert.
„War ganz ok. Bin jetzt total froh, es endlich hinter mir zu haben.“
Ich stimmte ihr zu und wir gingen nach draußen. Bei mir lief es ganz gut und ich fühlte mich, als wäre eine schwere Last von mir gefallen. Wir plauderten noch ein wenig über unsere Urlaubs- und Zukunftspläne und verabschiedeten uns dann. Sie nahm den hinteren Weg zum Bus und ich lief ein wenig verträumt durch die Gegend, als ich am Ende des Schulgeländes um eine Ecke bog und erschrak.
„Herzlichen Glückwunsch zur hoffentlich bestandenen Prüfung!“, schallte es mir entgegen.
Ich stand erstarrt da und brauchte eine Weile um mich zu raffen. Meine Ma, ein paar Leute aus der Nachbarschaft, Tine, Klaus und Timo standen da und gratulierten mir. Sie hielten mein Abi-Transparent hoch und warteten auf meine Antwort.
„Ehm… danke. Das ist jetzt echt überraschend.“ Ich wurde in solchen Situationen so gut wie immer verlegen.
Dann kam endlich meine Mutter auf mich zu und fragte wie es gelaufen ist. Ich antwortete ihr und sie umarmte mich.
„Ich bin ja so froh.“
Dann löste sie sich von mir und ich schenkte ihr noch ein Lächeln. Auch die anderen gaben mir entweder die Hand oder umarmten mich. Als Timo dran war, wurde ich nervös und wusste nicht, was ich tun sollte. Dann reichte er mir seine Hand und ich nahm sie wortlos entgegen. Dabei sah ich in seine Augen. Sie waren immer noch so schön goldbraun und er war viel größer (ist ja verständlich). Sein Händedruck passte zu seiner Statur, da er tatsächlich trainierter war. Seine Haare waren verstrubbelt und ein bisschen dunkler und er wirkte allgemein erwachsener. Trotzdem hatte er noch dieses süße verschmitzte Lächeln.
Dann liefen wir zu den Autos und ich erzählte ausführlich von meiner Prüfung. Ich stieg in das Auto meiner Mutter, die gleich mit Tine und unserer Nachbarin nachkam. Bevor wir losfuhren, sah ich noch, dass Timo in das andere Auto stieg. Konnte mir ja eigentlich egal sein…
Während der Fahrt redeten die anderen wild durcheinander, während ich verträumt aus dem Fenster schaute. Dann endlich zu Hause angekommen, gingen wir ins Esszimmer, wo der Tisch schon mit Kuchen, Salate und anderen Sachen bedeckt war. Nach einigen Minuten kamen auch die anderen an. Ich hatte mir das eigentlich viel ruhiger vorgestellt, aber war trotzdem froh über den Besuch. Nachdem sich alle an den Tisch gesetzt haben, sprach Klaus noch einen Toast aus und wir konnten mit essen anfangen. Timo saß mir schräg gegenüber und ich musste mich zwingen, nicht die ganze Zeit rüber zu schauen. Die anderen lachten und unterhielten sich währenddessen. Nachdem wir mit dem Dessert fertig waren, gingen einige nach draußen auf die Terrasse. Ich half meiner Mutter mit dem Geschirr. Sie wollte noch Tee aufbrühen und weil ich in dem Moment nicht mehr gebraucht wurde, ging ich nach oben in mein Zimmer.






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