Deine Liebesgeschichte 430





Mehr als eine Liebesgeschichte

Das erste Mal das ich dich gesehen habe war irgendwann im Herbst 2004. Doch die Wahrheit ist, ich trug dich schon lange Zeit in mir. Ehe ich dich kannte, warst du meine Sehnsucht. Ich habe damals Zeichen gesetzt. Ich habe Bäume gepflanzt, die in den Himmel wachsen. Ich habe leuchtende Fragen über dich gehängt. Ich habe dir einen Namen gegeben. Unsere Erste Begegnung stand unter keinem besonderen Zeichen. Es passierte nicht Aussergewöhnliches. Still, fast verstohlen fand leben zu leben, Sehnsucht zu Sehnsucht. Ich war damals 13. Jahre alt und schlenderte durch die Strassen. Wenn ich damals schon gewusst hätte, welches Anmass das alles annehmen wird, wie tief ich fallen werde, welches Leid mich erwarten würde, dann wäre ich wahrscheinlich an dir vorübergegangen und hätte dir keinen Blick zugewandt. Nie hätte ich diese Art von Gefühlen für dich aufbauen dürfen, doch das Verlangen war so gross. So unglaublich gross das es vom ersten Mal als ich dich sah, hoffnungslos war gegen sie anzukämpfen. Mein Verstand sagte mir zwar dass es leichtsinnig, aussichtlos und naiv ist, aber ich wollte kämpfen. Kämpfen um etwas was ich schon längst verloren habe. Mich aber vor allem die Verbindung. Die Verbindung zu meinem Leben und zur ganzen Welt. Verbindung ist, wenn du weisst was du tust, wenn du weisst das du Hunger hast, wenn du die Menschen anschaust und sie dir nicht fremd vorkommen. Ab und zu erinnere ich mich an den Sinn. An Sinn und Verbindung zwischen den Dingen, den Menschen, zwischen sich und der Welt. Ich kann mich daran erinnern dass es mir früher keine Mühe bereitete eine Verbindung herzustellen. Sie war einfach da, ganz natürlich. Die Verbindung war so selbstverständlich gewesen wie lachen, atmen und trinken. Während ich über das alles nachzudenken versuchte kamst du auf mich zu und hast meine Hand genommen. Es war mir fast unmöglich mich der Situation anzuvertrauen, einfach nur zu erleben, nur zu sein. Je stärker ich dich in mir aufnahm, und mit deinen Augen zu sehen begann, desto befangener wurde ich. Es war ein vorsichtiges abtasten nach ähnlichen Erlebnissen, nach verwanden Gefühlen. Ein Vergleich inneren Landschaften. Die Frage; was ist und was ist möglich stand zwischen uns. Dass Erkenntnis, dass das nicht sehr viel war, was zwischen uns möglich war, machte mir Angst. Ich bin einfach weggelaufen. Irgendwann, viele Wochen später erst, erfuhr ich dann dass du wieder in Ecuador bist. Nach und nach fing ich an zu begreifen was an Stelle der Verbindung geblieben war. Es war die Sehnsucht. Nur einmal habe ich dich gesehen, und ich hatte in mir dein inwendiges Bild, das ich wie etwas Kostbares in mir trug, zum ersten Mal ausserhalb von mir gesehen. Aber dann, nach diesem Blick, nach dieser ersten Berührung der Augen, wurden wir wieder getrennt, durch einen Kontinent, ein Meer und eine fremde Sprache. Ich blieb alleine zurück, mit meiner Sehnsucht. So hatte ich bisher Sehnsucht nicht gekannt. Ich entdeckte, dass sie grösser war, als ich gedacht habe. Ich habe sie nicht einmal vor mir selbst zugegeben, weil ich ihre Unerfüllbarkeit nicht erleben wollte. Ich hatte Angst vor dem Schmerz. Und so habe ich meine Sehnsucht nach Leben und Erfüllung unterdrückt, bis sie mächtig wurde. Die Sehnsucht fiel mich an, sie schlich sich in die Stillen Orte meines Lebens ein, sie malte Bilder von dir, sie spielte mit meinen Sinnen. Sie stürzte mich in Schmerzen und Tränen, sie war nicht zu vertreiben. Es gab durchaus Momente in denen ich mich strak fühlte, so stark das ich selber darüber erschrak. Ich trat so fest auf, dass ich mich selber nicht erkannte. Ich redete lauter, war mir sicherer, verletzte durch meine Worte und schien nichts zu merken von dem, was andere fühlten. In Wahrheit waren das aber wahrscheinlich auch meine schwachen Zeiten. In der Täuschung suchte ich nach Sicherheit, in der Übertreibung konnte ich mich verstecken. Verstecken vor der Sehnsucht die mich innerlich zerfrass. Viel später dann, es waren schon viele Monate vergangen, als ich mich gar nicht mehr gegen sie wehren konnte, lud ich sie ein, meine Freundin zu werden. So blieb die Sehnsucht bei mir. Ich sprach mit ihr und lernte sie besser kennen. Ich entdeckte, dass es die Sehnsucht war die die Brücke zu dir bildete. Durch die Sehnsucht, war dein Bild auch über den grossen Abstand lebendig in mir geblieben. Jetzt begann die Sehnsucht mir Wege vorzuschlagen wie ich dich wieder sehen konnte. Ich hörte auf, im Kreis des Unmöglichen zu denken, und dachte mit ganzer Kraft auf mein entferntes, schönes Ziel zu. Alle Hindernisse zwischen mir und dir wurden zu einer Herausforderung. Ich lernte die Sehnsucht zu verstehen und einzusetzen, und so konnte ich die ganze Welt bewegen. Die Sehnsucht ist die Schwester des Glaubens und die Mutter des Reifens. Es ging fast vier Jahre bis ich das begriffen hatte. Vier Jahre Suche nach Leben, und Kampf gegen die Sehnsucht, bis ich gemerkt habe das Sehnsucht selber leben bedeutet. Ich lernte bei dir zu sein ohne dich zu haben. Meine Liebe die ich für dich empfand wurde reifer, forderte weniger und wurde dadurch reicher. Ich machte mich auf reisen. Was ich auf meinen Reisen lernte kann ich nicht alles aufzählen, und wie ich reifte ist schwer zu erklären. Ich habe die Sprache des neuen Landes gelernt. Habe aber wenig über das Land gesprochen, weil es nie grösser war als meine Sehnsucht. Als dann endlich der Moment kam nach dem ich mich so lange gesehnt habe, und ich nach gut vier Jahren endlich bei dir sein konnte musste ich zuerst lernen dass ich nur bei dir sein kann wenn ich uns beiden die Freiheit schenke. Ich habe dein Land wieder verlassen. Am Anfang konnte ich es selbst nicht verstehen, doch inzwischen weiss ich dass sich das was man festhält nicht so verändern kann wie es sich verändern muss. Unsere Liebe wuchs Monat zu Monat. Manchmal war sie wie ein Fluss, wie ein grosser Strom, der durch unsere Seelen floss, tief und gewiss. Dann brauchten wir keine Bewiese der Liebe. Dann glaubten und vertrauten wir. Wir wussten. Wir ruhten in diesem Strom, liessen uns von ihm tragen und ahnten das Meer, auf das er zufloss. Aber es war nicht immer so. Es gab Tage der Unsicherheit und des Misstrauens. Dann brauchten wir Beweise und Ausdrücke der Liebe. Dann erinnerten wir uns an unsere Entscheidung, zu leiben gegen alle Wiederstände. Wir erlaubten uns die Schwäche des Zweifels. Mit unserer Begegnung haben wir etwas auf dieser Erde gebracht. Eine eigenwillige Form der Liebe, weil wir das Unmögliche versuchten, uns selbst und einander treu zu sein. Etwas grösseres können wir nicht wagen.Ich fragte mich manchmal ob wir für immer zusammen bleiben werden, oder ob uns die Liebe verlassen wird, so dass wir nicht weiter miteinander zusammen sein können. Ich glaube dann, dass es ganz an uns liegt. An uns beiden. So lange wir wirklich arbeiten wollen an unserer Beziehung, an unserer Liebe, solange wird uns möglich sein, zusammenzubleiben und weiterzukommen. Sobald wir glauben, dass alles einfacher sein sollte, und wir nach einem Weg aus unserer Beziehung schielen, wir es schwerer werden, und wir werden stärker und stärker leiden. Oder wenn einer von uns nicht mehr weiterarbeiten will und stehen bleibt oder gar zurück will in die Vergangenheit, in die schönen alten Zeiten der fernen Liebe, dann stirbt nicht nur unsere Liebe, sondern auch unsere Fähigkeit, uns zu erneuern und gehbare Wege für unser Miteinander zu finden. Wir entscheiden es. An der Entfernung sterben wir nicht, weil wir sie mit Landkarten aufheben können, weil deine Stimme am Telefon nah ist, weil wir Bilder haben, auf denen wir bunt bleiben, weil der Abstand eine glückliche Verzerrung schafft. Doch vielleicht sterben wir irgendwann an der Nähe, weil es in ihr keinen Schutz gibt.




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