Deine Liebesgeschichte 132





Ich lernte Phil vor 2 Jahren über's Internet kennen. Nicht durch Chatrooms oder so, da ich von Online-Flirtereien nicht besonders viel halte.
In einem Spiel schickte er mir eine Kriegserklärung und so begann unsere große Liebe.Nachdem wir uns in diesem Spiel viel gestritten hatten, verstanden wir uns immer besser, wir tauschten ICQ- und Handynummern. Jeden Abend schrieben wir einander oder telefonierten und ich gewann ihn richtig lieb. Bis er mich irgendwann fragte, ob ich mit ihm zusammen sein wollte.
Nein, wollte ich eigentlich nicht. Weil ich ihn ja nicht kannte. Trotzdem schrieb ich einfach mal 'ja'. In der Annahme, auf diese Art und Weise würde das Ganze eh nicht lange halten und ich würde ihn niemals sehen. Fehlanzeige. Er wohnte eine Stunde von mir entfernt und beschloss, sich spontan eine Fahrkarte zu kaufen und mich zu besuchen.
Obwohl ich nervös war, fuhr ich zu unserem Treffpunkt. Das Ganze könnte ich etwas ausführlicher berichten, aber darum geht es nicht. Ich weiß noch, dass ich überrascht war, als er mich irgendwann küsste, aber dann fiel mir ein, dass wir ja 'zusammen' waren. Phil beeindruckte mich auf viele Arten. Er wurde einfach der Größte für mich. Er holte mir die Sterne vom Himmel, besuchte mich jede Woche, obwohl es so teuer für ihn kam, er machte auch sexuell nichts mit mir, wofür ich noch nicht bereit war.. Vor allem jedoch beeindruckte mich sein Durchsetzungsvermögen und dass er zu seinen Prioritäten stand. Er war strikt gegen Rassismus, HipHop und Rauchen. Als mir einmal ein Feuerzeug aus meiner Tasche fiel, fragte er tadelnd, ob er da etwas nicht wisse... Er kümmerte sich rührend um mich und ich verliebte mich Hals über Kopf.
Ich kann mich an einen Tag erinnern, an dem ich ihn auf dem Bahnhof erwartet hatte. Als er mir entgegen kam und mein Herz sich fast überschlug vor Freude, fiel ich ihm sofort um den Hals und er gab mir einen sehr zärtlichen Kuss. Wir strahlten uns an und küssten uns wieder und auf einmal stand ein älterer Mann hinter uns. Er hatte Tränen in den Augen und hielt uns einen 10-€-Schein hin. Wir schauten ihn etwas verwirrt an, er brach in Tränen aus und erklärte, dass er das so schön fände und wir doch bitte das Geld nehmen sollten und zusammen Kaffee trinken oder so...
Es war ein Hochgefühl, Phil zu haben. In der Zeit lief ich strahlend durch's Leben. Nichts vermochte meine Laune zu trüben.
Bis wir uns immer seltener sahen...als ich ihn zwei Tage vor meinem Geburtstag sah, wusste ich aus irgendeinem Grund, dass es das letzt Mal war. Ich bat ihn, vorsichtig zu sein und sagte ihm, dass ich ihn liebe. Er ist bis heute der einzige Mensch, dem ich das gesagt habe. Weil das für mich nicht einfach irgendwelche Worte sind, die irgendetwas bedeuten. Viele Personen konnten den Unterschied, den ich zwischen Verliebtheit und Liebe mache, nicht sehen. Es war mir egal. Phil wusste, dass er mein Leben war.
Ich will Phil hier nicht anprangern, aber er tat mir Schlimmeres an, als nur Schluss zu machen. Es ist nicht so wichtig, was, und wie ich das erfuhr. Wichtig ist, dass er am Ende Schluss machte und keine richtige Begründung hatte.
Ich fing auf der Stelle an, laut zu weinen, ich sank auf den Boden und brüllte, bis ich nicht mehr konnte. Es tat körperlich weh.
Die nächsten drei Wochen war ich nicht ansprechbar, ich aß kaum etwas, verletzte mich selbst und verschanzte mich in meinem Zimmer.
Das war die Zeit, in der meine 'Freunde' mich im Stich ließen. Anstatt für mich da zu sein, wenn es mir schlecht ging, gingen sie mir aus dem Weg und trafen sich lieber ohne mich. Nur meine - immer noch - beste Freundin Mary war für mich da. Fast mit allen anderen wollte ich später nichts mehr zu tun haben.
Ein Jahr lang trauerte ich Phil hinterher, obwohl ich früh begriffen hatte, dass das Leben weitergeht und ich nicht einfach aufgeben sollte.
Der Kontakt zu ihm brach lediglich die ersten beiden Monate ab, und es ging von seiner Seite aus, angeblich, weil er sich 'schlecht' und 'schuldig' wegen dem fühlte, was er mir 'angetan' hatte. Später, viel später, ließ ich mich auf ein ausführliches Gespräch ein. Nicht mehr so oberflächlich. Er teilte mir mit, dass er das Rauchen angefangen hatte, sich regelmäßig ins Koma soff und Frauen für ihn nur noch Verschleißmaterial waren. Seine früheren Ideale waren ihm komplett egal und er lästerte über sein Ich von vor einem Jahr.
Das war der Tag, an dem er mein Herz entgültig brach.
Und der Tag, an dem ich sah, dass alles nichts wert gewesen war. Ich hatte ein jahr vergeudet. Liebeskummer lohnt sich im Endeffekt nämlich doch nie. Aber ich werde Phil nie verzeihen, dass ich nach dieser Erfahrung keinem Jungen mehr vertrauen konnte und bis heute nicht kann.
Der Phil, den ich gekannt und geliebt hatte, war gestorben. Einfach nicht mehr da.






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